Angst vor Bewertung

Die Angst vor Bewertung blockiert mich. Auch heute noch. Schließlich könnte sie negativ ausfallen. Daher behalte ich vieles lieber für mich, fange manches gar nicht an. Halte mich zurück, im Hintergrund, damit ich nicht auffalle.

Diese Strategie habe ich schon als Kind angewandt. So habe ich mich in der Schule kaum zu Wort gemeldet. Nur wenn ich 100%ig sicher war die richtige Antwort zu wissen. Später kamen dann Referate und mündliche Prüfungen. Das war für mich ein Graus. Nicht wegen der zeitintensiven Vorbereitung, sondern weil ich zum Fokus der Aufmerksamkeit wurde und jede Menge (nicht nur wohlwollende) Blicke auf mich zog. Ich mochte es nicht, im Mittelpunkt zu stehen. Und dennoch wurde ich Grundschullehrerin. Ein Job, bei dem ich fast täglich vor einer Horde von Kindern stehe. Doch das ist etwas anderes: Kinder betrachten die Welt und die Menschen um sie herum noch mit anderen Augen. Sie zeigen ehrlich ihr Interesse oder auch Desinteresse. Eine viel größere Herausforderung waren für mich die Elternabende oder Besuche des Schulrats.

In den letzten Jahren hat sich einiges verändert. Ich habe eingesehen, dass ich mich nicht selbst durch gut sein und Gutes tun retten kann. Mir werden immer wieder Fehler passieren, egal wie sehr ich mich anstrenge. Das ändert jedoch nichts an Gottes Liebe zu mir: ER liebt mich so sehr, dass ER seinen einzigen Sohn hingegeben hat. Ich bin IHM so unendlich wichtig und wertvoll, dass Jesus für mich am Kreuz gestorben ist. ER hat kein Problem mit meiner Unvollkommenheit. Ganz im Gegenteil. Ich bin SEINE geliebte Tochter und ER hat Freude an mir. Und wonach ER sich sehnt ist eine echte, tiefe Beziehung zu mir. In SEINER Gegenwart fühle ich mich sicher, geliebt, angenommen. Da ist WAHRE Liebe ohne Bedingungen. In diesem Raum wird mein Herz erfüllt mit SEINER Liebe. Es fließt förmlich über. So dass ich gar nicht anders kann als IHN zu loben und zurück zu lieben, als mich selbst und andere zu lieben.

Leider hält dieser Zustand nicht ewig an. Manchmal kann ich ihn im Alltag eine Weile bewahren. Dann traue ich mich ungewöhnliche Dinge zu tun und neue Wege zu gehen. Dann spreche ich offen über meinen Glauben und meine Liebe zu Jesus. Dann schaffe ich es NEIN zu sagen, wenn ich etwas wirklich nicht möchte. Auch auf die Gefahr hin, dass es bei meinem Gegenüber nicht gut ankommt. Dann denke ich nicht lange nach, sondern tue und sage einfach, was ich auf dem Herzen habe.

Doch in manchen Situationen falle ich wieder in die alten Muster zurück. Dann verstricke im mich in endlose Gedankenketten, kann mich nicht entscheiden. Dann lasse ich Gelegenheiten, um über meinen Glauben zu sprechen oder für jemanden zu beten, vorübergehen. Dann behalte ich meine Überzeugungen für mich, wenn sie nicht mit denen von anderen übereinstimmen.

Das zeigt mir, dass ich meinen Wert in solchen Momenten wieder davon abhängig mache, was andere von mir denken. Dadurch bekommen die Menschen um mich herum Macht über mich. Auch wenn sie diese gar nicht bewusst ausüben. Was mir Mut macht: Ich habe jederzeit die Wahl und kann mich frei entscheiden, worauf ich meine Aufmerksamkeit richte. Glaube ich was Gott über mich sagt oder schenke ich dem Beachtung und Raum was Menschen über mich denken?

Das gelingt nicht von heute auf morgen. In manchen Bereichen fällt es leichter als in anderen. Doch ich bin mir sicher, es ist DER Weg zu einem authentischen Leben, gesunden Beziehungen und WUNDER-vollen Begegnungen.

Wie seht ihr das? Ich freue mich über Kommentare. Gerne könnt ihr mich auch per Mail kontaktieren:

martina.wagner78@gmail.com

Alles Liebe,

Martina